05.12.2016_Soziale Landwirtschaft am Fuxengut
“Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“
Kalt ist es geworden. Die Hühner sitzen aufgeplustert im Hof und warten sehnsüchtig auf die Sonne. Wir tragen mittlerweile Wollsocken in den Gummistiefeln. Auch wenn wir nach wie vor draußen herumwerken, die kommende Zeit wird doch ein bisschen ruhiger. Winterschlaf halten aber auch wir nicht. Während sich Igor derzeit gemeinsam mit seinem Cousin und klammen Fingern dem Wildzaun rund ums Feld widmet, hab ich mich dazu entschlossen, Vorbereitungen für das Beschreiten neuer (landwirtschaftlicher) Wege zu treffen. Ich habe den Green-Care-Lehrgang „Gesundheit fördern am Hof“ am Fortbildungsinstitut der Landwirtschaftskammer in Linz begonnen. Green Care – wenn auch sicher noch nicht allzu bekannt - ist in meinen Augen ein wirklich sinnvolles und spannendes Projekt. Auch als soziale Landwirtschaft bezeichnet, ist Green Care – um es einfach auszudrücken – die Nutzung von landwirtschaftlichen Betrieben oder viel mehr deren Pflanzen, Tiere, Gärten, Wälder und Landschaft, zur Steigerung des geistigen, seelischen und körperlichen Wohlbefindens und als naturnahen Ort der Bildung und Wissensvermittlung.
Vorige Woche bin ich also erstmals nach Linz aufgebrochen um den Lehrgang zu besuchen. Frühmorgendlich durchs stille, weihnachtlich geschmückte Garsten Richtung Bahnhof. Regionalexpress Richtung Linz Hauptbahnhof.
Am Fenster zieht die weitgehend ausgeräumte Ackerlandschaft des unteren Ennstals an mir vorbei, hin und wieder ein leerstehender Bauernhof. In dem Gebiet sinkt, wie in vielen anderen Regionen, die Anzahl der landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebe. "Freiwerdende" Felder werden von expandierenden Betrieben zugepachtet oder von den Gemeinden umgewidmet und verbaut. Rund um die größeren Bahnstationen, entlang der Straßen sind in den letzten Jahren viele neue Siedlungen entstanden. Die Anbindung an die Westautobahn und ans Zugs- und Straßenverkehrsnetz ist perfekt. Die Gemeinden streichen in ihren Entwicklungskonzepten ihre Bedeutung als „Wohngemeinde“ hervor. Eine durchaus vielversprechende Richtung...je mehr Bewohner, desto mehr Gemeindebudget. Die Wohnbevölkerung nimmt in dieser günstig liegenden Region zu, die Haushalte auch…die Anzahl der Single-Haushalte steigt stetig.
Und was ist mit der Landwirtschaft in den Gemeinden? Werden die landwirtschaftlichen Betriebe in irgendeiner Weise in die Entwicklungsstrategien der Gemeinden integriert? Nur selten. Den Bauern und Bäuerinnen wird kaum das Potenzial zur Steigerung der Lebensqualität in einer Region zugeschrieben. Aus meiner Sicht..und aus Sicht des Projekts Green Care, ist jedoch ein solches Potenzial oftmals vorhanden.
Bekannt ist es, dass eine zunehmende Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich ziemliche Probleme damit haben, bei den herrschenden Preisbedingungen ein finanzielles Auskommen zu erzielen. Von finanziellen Förderungen profitieren nur die richtig grossen und expandierenden Höfe. Nicht die Höfe, die man so gerne in der österreichischen Tourismus- oder Lebensmittelwerbung vermarktet…auf denen angeblich die Butter noch mit der Hand gerührt wird, auf denen jede Kuh bei ihrem Namen genannt und angeregt mitn Schweindl geplaudert wird. Die kleinen – angeblich „typisch österreichischen“ Bauernhöfe verabschieden sich– wenn auch eher unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – zunehmend aus der Wirklichkeit. Gerade erst vor ein paar Tagen war in den österreichischen Medien stolz von der „Supermarkt-Wiedereroberung“ der österreichischen Tomaten die Rede. Aber nicht durch kleine Gemüsebaubetriebe sondern durch ein paar wenige Großproduzenten mit riesigen beheizten Glashäusern, in denen die Tomaten mit Nährstofflösungen versorgt, in Steinwolle oder Kokosfaser gezüchtet werden. Mit Erde kommen diese Tomaten nicht in Berührung. Ob der dadurch geschaffte ganzjährige Einzug der österreichischen Tomate bei Billa & Co tatsächlich ein Grund zum Feiern ist?
Gleichzeitig gibt es Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die uns alle in Zukunft beschäftigen, herausfordern werden. Immer mehr, immer ältere Menschen die sich einer zunehmend unter Druck stehenden jüngeren Generation gegenübersehen, viele Menschen aus anderen Kulturen die sich bei uns eine neue Existenz aufbauen müssen, ausgebrannte Menschen die aus dem System fallen. Von den politischen Entwicklungen der Gegenwart fange ich garnicht erst an (wobei unsere gestrige Stimmung kurz nach 17 Uhr durchaus als gelöst bezeichnet werden darf).
Trotzdem…ich sehe manchmal mit einem mulmigen Gefühl in die Zukunft. In die meine und in die meiner Kinder. Aber gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es möglich ist, an der Zukunft mitzubauen.
Was haben die landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen miteinander zu tun? Bei Green Care so einiges…Man kann durch innovative Ideen den Herausforderungen entgegentreten und landwirtschaftliche Betriebe können neue Einkommensmöglichkeiten erschließen.
Genau deshalb besuche ich seit letzter Woche den Lehrgang "Gesundheit fördern am Hof"...
Und was ist mit der Landwirtschaft in den Gemeinden? Werden die landwirtschaftlichen Betriebe in irgendeiner Weise in die Entwicklungsstrategien der Gemeinden integriert? Nur selten. Den Bauern und Bäuerinnen wird kaum das Potenzial zur Steigerung der Lebensqualität in einer Region zugeschrieben. Aus meiner Sicht..und aus Sicht des Projekts Green Care, ist jedoch ein solches Potenzial oftmals vorhanden.
Bekannt ist es, dass eine zunehmende Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Österreich ziemliche Probleme damit haben, bei den herrschenden Preisbedingungen ein finanzielles Auskommen zu erzielen. Von finanziellen Förderungen profitieren nur die richtig grossen und expandierenden Höfe. Nicht die Höfe, die man so gerne in der österreichischen Tourismus- oder Lebensmittelwerbung vermarktet…auf denen angeblich die Butter noch mit der Hand gerührt wird, auf denen jede Kuh bei ihrem Namen genannt und angeregt mitn Schweindl geplaudert wird. Die kleinen – angeblich „typisch österreichischen“ Bauernhöfe verabschieden sich– wenn auch eher unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – zunehmend aus der Wirklichkeit. Gerade erst vor ein paar Tagen war in den österreichischen Medien stolz von der „Supermarkt-Wiedereroberung“ der österreichischen Tomaten die Rede. Aber nicht durch kleine Gemüsebaubetriebe sondern durch ein paar wenige Großproduzenten mit riesigen beheizten Glashäusern, in denen die Tomaten mit Nährstofflösungen versorgt, in Steinwolle oder Kokosfaser gezüchtet werden. Mit Erde kommen diese Tomaten nicht in Berührung. Ob der dadurch geschaffte ganzjährige Einzug der österreichischen Tomate bei Billa & Co tatsächlich ein Grund zum Feiern ist?
Gleichzeitig gibt es Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die uns alle in Zukunft beschäftigen, herausfordern werden. Immer mehr, immer ältere Menschen die sich einer zunehmend unter Druck stehenden jüngeren Generation gegenübersehen, viele Menschen aus anderen Kulturen die sich bei uns eine neue Existenz aufbauen müssen, ausgebrannte Menschen die aus dem System fallen. Von den politischen Entwicklungen der Gegenwart fange ich garnicht erst an (wobei unsere gestrige Stimmung kurz nach 17 Uhr durchaus als gelöst bezeichnet werden darf).
Trotzdem…ich sehe manchmal mit einem mulmigen Gefühl in die Zukunft. In die meine und in die meiner Kinder. Aber gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es möglich ist, an der Zukunft mitzubauen.
Was haben die landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen miteinander zu tun? Bei Green Care so einiges…Man kann durch innovative Ideen den Herausforderungen entgegentreten und landwirtschaftliche Betriebe können neue Einkommensmöglichkeiten erschließen.
Genau deshalb besuche ich seit letzter Woche den Lehrgang "Gesundheit fördern am Hof"...
Als Abschlussarbeit des Lehrgangs im nächsten Herbst werde ich ein Konzept für unser Green Care-Angebot am Fuxengut erarbeiten. Unsere Ziele: Einerseits Programmangebote für ältere Menschen…ein eigens angelegter Garten als Treffpunkt und als neuer Handlungsraum für Jahreszeit-spezifische Projekte haben wir uns in den Kopf gesetzt. Andererseits Umweltbildungsprogramme für Kinder und Schüler. Unsere 3 Kinder freuen sich schon darauf, meine Versuchskaninchen zu sein ;).
Viel Arbeit liegt noch vor uns, aber wie schon Kafka sagte…“Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“.
Viel Arbeit liegt noch vor uns, aber wie schon Kafka sagte…“Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“.